Kunst im Knast
Kunst als Resonanzraum und Fenster zur Freiheit
Projektzeitraum: 09.01.2026 - 18.05.2026
Projektbeitrag zum Kunstfestival OpenArt 2026 Freiburg mit dem Festivalthema "Unverfügbarkeit"
Auf dieser Seite finden Sie die Ausstellungswerke, ein Video zum Entstehungsprozess, Hintergründe und Einblicke zum Projekt - sowie eine Möglichkeit Feedback bzw. eine Nachricht an die mitwirkenden Gefangenen zu hinterlassen.
Video zum Entstehungs-
prozess
Videos: Marleen Thüringer - Musik: Burning Higher by Uplift Music
Die Collagen


Fenster zur Freiheit
Inhalt: Themen, die die Gefangenen bewegen. Erfahrungen hinter Gittern. Was gibt Hoffnung? Vorlage waren Gespräche und Erfahrungen hinter Gittern, sowie die Motive, die die Gefangenen während unseres Kunstkurs erstellt haben ( Fotos von den Werken der Gefangenen: siehe weiter unten)
Künstlerische Intention: Einer Welt, die viel Schwarz und Weiß kennt, einige Grautöne hinzufügen :-)
Media: Mixed. Die beiden Collagen wurden gesprüht, gemalt und gezeichnet.
Material: 2 PVC Planen
Maße 378 cm x 252 cm
Entstehungsjahr: 2026
Der Panther
Der Panther
Zu edel, um sich zähmen zu lassen,
zu stolz, um sich zu beugen -
alle Einblicke gewährend, bleibt er in seinem Kern
unerschütterlich.
Ein geknebelter Schrei.
Das Feuer und das Schweigen haben ihn geformt.
Wenn seine innere Welt nur aus Stäben besteht,
wartet er. Regungslos.
Richtet sich aus.
Spürt.
Blickt der Starre zum Trotz
einer nie gekannten Lebendigkeit entgegen.
Als Teil dieser Welt.
Im Innern verbunden mit Allem was ist.
- Marleen Thüringer, inspiriert durch Rilke -


Panther
Skulptur, aus Eisenstäben geschweißt auf Eisenplatte.
Greift unter anderem die Starre und die fehlende Privatsphäre im Gefängnis auf.
Maße: ca. 180 x 50 cm
Entstehungsjahr 2026
Panther gesprüht, mixed media.
Collage: Übersetzung der Themen und Werke der Gefangenen auf PVC-Planen.
Maße: Länge:378 cm, Breite 252 cm
Entstehungsjahr 2026

Der Vogel
Es sitzt ein Vogel auf dem Leim,
Er flattert sehr und kann nicht heim.
Ein schwarzer Kater schleicht herzu,
Die Krallen scharf, die Augen gluh.
Am Baum hinauf und immer höher
Kommt er dem armen Vogel näher.
Der Vogel denkt: Weil das so ist
Und weil mich doch der Kater frisst,
So will ich keine Zeit verlieren,
Will noch ein wenig quinquilieren
Und lustig pfeifen wie zuvor.
Der Vogel, scheint mir, hat Humor …
- Wilhelm Busch -
Vogel
Maße: 60 cm x 160 cm
Material: Mixed Media (vorallem Holz), Kleber, Lack, Schnur
Entstehungsjahr: 2026


Der Briefkasten
Die Brücke erlebbar machen
Bei dem Projektk geht es mir nicht nur darum, von innen etwas nach Außen zu tragen und den Gefangenen einen sichtbaren Ausdruck anzubieten, sondern auch andersherum wieder von der Gesellschaft eine Resonanz nach Innen zu tragen. Dieser Briefkasten steht bis zum 18.05.26 neben den Ausstellungsobjekten und lädt ein, dass Sie als Betrachter:in den Gefangenen eine Nachricht schreiben:
- Was ist in Ihnen berührt?
- Wo spüren Sie Resonanz?
- Was sind Ihre Gedanken zum Projekt/zu den Werken etc.?
- Wie stellen Sie sich die Realität hinter Gittern vor?
Die Briefe werden von mir gesammelt und geprüft. Anschließend wird es einen letzten Besuch bei den Gefangenen geben und ich werde Ihnen die Resonanz mitbringen, sowie Fotos von der Ausstellung.
Sollten Sie nicht vor Ort kommen können, besteht die Möglichkeit hier eine digitale Nachricht zu hinterlassen. Auch diese kommt bei mir an und nehme ich nehme sie gerne mit :-)
Sie haben die Ausstellung gesehen und möchten Einen Brief an die Gefangenen schreiben?
Hier können Sie Ihre Resonanz auf die entstandenen Kunstwerke an mich schicken. Die Gefangenen, die bei der Ausstellung mitgewirkt haben freuen sich über jede Rückmeldung zu den entstandenen Werken.
Ich werde Ihre Nachricht nach der Ausstellung an die Gefangenen überbringen. Alternativ können Sie auch eine Rückmeldung in Briefform verfassen und den dafür aufgestellten Briefkasten am Eingang der JVA nutzen.

Warum das Projekt?
Die Idee zu dem Projekt hatte ich im Rahmen des diesjährigen Themas der Open Art Freiburg. Es geht um das Erleben von Unverfügbarkeit. Das Gefängnis ist für mich ein unverfügbarer Ort - Mauern trennen, in beide Richtungen. Ich erfahre Unverfügbarkeit, indem ich mich selbst mit den Gefangenen einschließen lasse und auch meine Freiheit ein Stück weit aufgebe. Als Antwort auf diese Unverfügbarkeit möchte ich eine Brücke bilden - hin zu einer Außenwelt und der damit verbundenen Freiheit und Selbstbestimmtheit, die für die Gefangenen nicht verfügbar ist. Anders herum ist für die Außenwelt die Realität im Gefängnis komplett unverfügbar, daher habe ich die Ausstellung und die Sichtbarwerdung über die Kunst gewählt.
Im Projekt erforsche ich, was wir der Unverfügbarkeit entgegen setzen und wonach sie uns fragt: Es geht darum, Verbindungen zu schaffen und Resonanz zu ermöglichen. Ich glaube an die Menschlichkeit, unsere Würde und die innere Kraft. Wenn alles weg bricht und alles unverfügbar ist, trägt sie uns da durch.
In dem Erleben von Unverfügbarkeit steckt für mich also ein Potential:
Das Potential dem ganzen etwas entgegen zu stellen. Daran zu wachsen. Die Ausrichtung auf den inneren Halt, wenn das Äußere widrige Umstände bereit hält. Dieses Potential zeigt sich darin, wie wir auf eine Situation reagieren und ihr antworten.Auch in der Kunst sind wir mit einem Objekt konfrontiert, das eine Frage an uns stellt -und in uns formt sich eine Antwort ein persönliches Berührt-Sein.
Ich erforsche, was passiert, wenn wir mit diesem Potential - unserer eigenen inneren Antwort -in Verbindung kommen. Gleichzeitig erforsche ich mit diesem Projekt, was zur Unverfügbarkeit führt und wie sich das künstlerisch darstellen lässt (z.B. indem ich mit starren Werkstoffen arbeite). Nicht zuletzt bin ich überzeugt, dass es mehr Brückenbauer:innen braucht und möchte hier mit einem Beispiel voran gehen. Ich möchte die Kunst und ihre Möglichkeiten zu den Menschen bringen, die am Rande der Gesellschaft stehen.
Ablauf des Projekts: Was? Wann?
-
Kontakt- und Recherchephase: 09.01.2026 - 20.02.2026
Wöchentlich künstlerisches Arbeiten mit 10 Gefangenen in der Justizvollzugsanstalt Freiburg. Die Künstlerin bringt verschiedene Kunstmaterialien zum Ausprobieren mit und ist für die Dauer des Kurses mit den Gefangenen eingeschlossen. Sie spürt, wie es ist hinter Gittern zu sein und erlebt die gleiche Unverfügbarkeit wie die Gefangenen. Sie baut eine Brücke von der Außenwelt zu den Gefangenen, indem sie zuhört, den Dialog anbietet und über die Kunst das Erleben von Selbstwirksamkeit ermöglicht. Die Künstlerin arbeitet mit den Gefangenen z.B. in Ton und bildnerisch zum Thema "Unverfügbarkeit". Dabei liegt der Fokus auf dem, was den Gefangenen in ihrer Situation Halt und Kraft gibt. Die Künstlerin bringt kunsttherapeutische Methoden und Arbeitseinladungen mit ein. Jeder Teilnehmer hat aber immer die Wahl, ob er zum Thema oder frei arbeiten möchte. Auch bleibt es freigestellt, mit welchem Material die Teilnehmenden arbeiten möchten. Die Gefangenen wählen aus, ob sie ihre Werke in die Ausstellung geben möchten oder nicht.
Ziele: Eine Brücke von Außen nach Innen schaffen. Themen wie Freiheit, Menschlichkeit, innere Ausrichtung, Unverfügbarkeit, Licht und Schatten des Menschseins erforschen.
-
Künstlerische Arbeit & Ausstellungsvorbereitung: 21.02.2026 - 25.04.2026
Die Inspiration sind die Werke, die während der Kunstworkshops entstanden sind. Jeder Teilnehmer hat die Wahl, ob seine Gestaltungen gezeigt und für die Ausstellung verwendet werden. Die Künstlerin erstellt eine Collage aus den Arbeiten, die in der Ausstellung gezeigt werden dürfen. Anschließend übersetzt sie die ausgewählten Werke in Groß auf Planen. Sie abeitet selbst weiter zu ihren Eindrücken in Form von zwei Skulpturen, die neben den Planen Teil der Ausstellung sind.
Ziel: Einen künstlerischen Ausdruck finden - von Innen nach Außen. Dem eigenen Berührt-Sein einen Ausdruck geben. Den Gefangenen eine Stimme und eine Sichtbarkeit geben in Form des künstlerischen Werks.
-
Ausstellung: 02.05.2026 - 18.05.2026 an den Außenmauern der JVA Freiburg, Adresse: Hermann-Herder-Straße 8, 79104 Freiburg im Breisgau. Es wird eine Möglichkeit geben, über die Passant:innen ihre Resonanz an die Gefangenen mitteilen können (digital und/oder per Briefkasten).
Die Künstlerin wird außerdem für einen Dialog vor Ort sein:
- Stadtgarten am 03.05.26 von 14:00-17:00 Uhr bei der Eröffnung der OPEN ART 26
- Hermann-Herder-Straße 8, am 08.05. von 18:00 - 19:00 Uhr -
- Hermann-Herder-Straße 8, am 17.05. von 17:00 - 18:00 Uhr
Ziel: Über die Kunstausstellung eine Sichtbarkeit für diejenigen ermöglichen, die sonst keine Mittel und Wege dafür haben. Resonanz einholen aus der Stadt, der Außenwelt. Eine Brücke zu dem "umverfügbaren" Ort Gefängnis schaffen. Was ist in IHNEN berührt? Welche Fragen wollten Sie schon immer mal einem Gefangenen stellen? Was löst das Kunstwerk in IHNEN aus?
-
Resonanz von Außen nach Innen: Die Künstlerin lässt die Gefangenen an der Ausstellung teilhaben, indem sie Fotos und Rückmeldungen zurück in die JVA trägt und sie den Gefangenen übermittelt.
Ziel: Resonanz spürbar und erlebbar machen. Ein Gefühl von Wirksamkeit und Zugehörigkeit zur Gesellschaft ermöglichen.

Quelle des Fotos: Britt Schilling Fotografie (in "Strafraum")
Einblicke ins Projekt: Die entstandenen Arbeiten der Gefangenen
Die nachfolgenden Fotos zeigen die künstlerischen Arbeiten der Gefangenen, die bei den Kunst-Einheiten entstanden sind. Die Gefangenen haben diese Werke selbst ausgewählt und einer Veröffentlichung per Foto auf dieser Webseite zugestimmt. Die Werke dienen der Künstlerin als Vorlage für die Objekte, die sie für die Ausstellung vorbereitet.

Zitate: Was Gefangene sagen
"Die Kunst-Einheit freitags ist der einzige Lichtblick in meiner Woche, bei dem ich den Haftalltag mal vergessen kann und Entspannung finde" - Ein Gefangener
Quelle der Fotos: Homepage der JVA Freiburg und Britt Schilling Fotografie (in "Strafraum")
























